Neusser
Reitercorps 1828

Was einmal als Corps der Ringstecher begann und mit berittenen Söhnen
gutsherrlicher Familien bei passenden Gelegenheiten als Ehrengarde
auftrat, hat sich über Wettrennen mit Ackerpferden und sonstigen
Reiterspielen, bei denen "kühne Bewegungen" nicht fehlen,
hochgedient zum festen Bestand im Neusser Schützendasein. Das war nicht
immer so. Manchmal fehlten Reiter oder Pferde, in anderen Jahren machte
die Ernte einen Strich durch die Terminplanung, dann war kein Chef zu
finden, aber wenn sie einen hatten, dann brachten sie ihn übermütig um
Mitternacht mit Musik nach Hause.
Mitleid vernimmt man allerdings auch nicht mehr in ihren Reihen, wie in
jenem Jahr 1868, als das Neußer Kreis-, Handels- und Intelligenzblatt
meldete: "Um zu verhüten, dass Kirmes nicht mehr so viele Leute vom
Pferd fallen oder wie die Sandsäcke auf ihrem Tier hangen, ist von
Mitgliedern des Ringstecherkorps die Errichtung einer Reitbahn ins Leben
gerufen worden....".
So ziehen sie dann, befrackt, mit rotweißer Schärpe, bei der
Königsparade mit Zylinder, den aber nur der Chef vor dem König schwenken
darf, und sonst die Reiterkappe.
Ein Ehrenplatz ist dem Reitercorps sicher: Wenn es gilt, die höchsten
Würdenträger des Schützenfestes am Krönungsabend ins schönste Licht
zu stellen, dann stehen nach altem Brauch mit Schützenkönig und
Schützenkönigin auch Reitersieger und Reitersiegerin im Mittelpunkt des
festlichen Geschehens.