Neusser Bürger-Schützenfest
Der Neusser Bürger-Schützen-Verein wurde 1823 gegründet. Heute gehören diese Korps dem Neusser
Bürger-Schützen-Verein an:
3
Vorreiter
Neusser
Sappeur-Korps 1830
Neusser
Grenadierkorps von 1823
Neusser
Edelknaben-Korps von 1835
Neusser
Jägerkorps 1823
Neusser
Schutzenlust 1864/1950
St.
Hubertus - Schützen - Gesellschaft 1899 e. V.
Schützengilde
Neuss e.V. 1850/1961
Neusser
Scheibenschützengesellschaft
Neusser
Artillerie-Corps 1854 e. V.
Neusser
Reitercorps 1828
Mehr als 6.000 Mann (ca. 4.700 Schützen und ca. 1.400 Musiker)
marschieren jedes Jahr Ende August bei der Schützen-Parade über den
"Markt" und bei den Umzügen durch die geschmückten Straßen
der Innenstadt.

Historie des Neusser Schützenfestes
Uniformen und Schützentracht im
Neusser Schützenwesen
von Joseph Lange
(Auszug, entnommen der Festschrift
"Neusser Bürger Schützenfest 27.
bis. 31. August 1999)
Das Bild des Neusser Schützenregimentes, das Vorbild geworden und geblieben ist für unzählige Orte und Schützengesellschaften im näheren
und weiteren Umkreis, es hat sich im Laufe der Zeit in Einzelheiten schon
mal gewandelt, seitdem Grenadiere und Jäger - so nannten sich die ersten
Formationen - den Anfang gemacht haben. Jedoch sind die Grundlinien seiner
äußeren Erscheinungsformen unangetastet geblieben, nachdem man sich
einmal an militärischen Vorbildern orientiert hatte, und das freiwillig,
und das war auch nichts Neues, haben die Schützen doch schon in den
Jahrhunderten vorher immer wieder Aufzüge veranstaltet.
Was an Korps und Uniformen von Zeit zu Zeit - nicht ohne
Meinungsverschiedenheiten und Schwierigkeiten - hinzugekommen und
geblieben ist, hat sich harmonisch in das Bild eingefügt, für das
begeisterte Bürger und getreue Sachverwalter aus allen Kreisen der
Bürgerschaft heute wie einst unter nicht unbeträchtlichem Kostenaufwand
den Rahmen und die Akteure stellen, an denen es auch heute noch in unserer
vom Egoismus geplagten Zeit - Gott sei Dank! - noch nicht mangelt.
Wie traten sie denn auf, die Anfänger des Jahres 1823, auf das der
Neusser Bürger-Schützen-Verein seine Gründung zurückführt?
Nun: die Statuten von 1823 besagen ausdrücklich: "Außer den
Ehrenstellen darf keine militärische Kleidung Statt finden." Die
Inhaber der Ehrenstellen, das waren die Offiziere, trugen die Uniform der
Bürgermiliz, wie sie in den ersten preußischen Jahren aufgestellt worden
war, bald aber schon wieder aufgelöst wurde. Der damalige Bürgermeister
Reuter brachte in Erinnerung, dass die Schützen "Beim Aufziehen
keine Dienstabzeichen preußischer Offiziere" tragen dürfen. Er
bezog sich auf eine Verfügung der königlichen Regierung zu Düsseldorf
vom Jahre 1822, derzufolge die zuständige militärische Kommandostelle
festgestellt habe, dass "bei den Aufzügen der Schützen und der
Begleitung von Prozessionen Offiziers-Epaulets, und sogar welche, welche
mit der Regiments-Nummer gekennzeichnet sind, getragen werden...".
Bis hinunter zu den Bürgermeistern erging die Weisung, "jeden
Gebrauch von Offiziersdienstzeichen unverzüglich auf das Ernstlichste bei
Strafe zu untersagen und in vorkommenden Fällen die Contravenienten nebst
Wegnahme der gebrauchten Dienstzeichen gehörig bestrafen zu
lassen...".
Der Festanzug, die Uniform der "gemeinen" Schützen,
zunächst der Grenadiere, musste also zivil bleiben. Daher warfen sich die
Schützen in den zeitentsprechenden Biedermeierfrack mit weißer oder
gelber Hose und setzten den ebenso zeitgemäßen Zylinder auf. Damit gaben
sie sich ein Aussehen, das sich nicht viel von den einstigen Uniformen der
Infanteristen Europas unterschied. Auch der Zylinder, zivile Abart eines
militärischen Tschakos, ähnelte einer Universalkopfbedeckung aller
europäischen Heere der damaligen Zeit.
Ebenso war der Zweispitz der Offiziere, der fälschlicherweise
sogenannte "Bonaparte" einmal nicht nur in der französischen
Armee üblich: als Generalshut war er bei den Preußen noch bis in die
40er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Gebrauch.
Die Jäger machten es sich einfach: Da sie nicht wie die Grenadiere
auftreten konnten, trugen sie zur weißen Hose den schlichten Sonntagsrock
und einen grüngeschmückten Hut.
Aus dem Tschako haben sich im Laufe der Zeit Käppi-Modelle
herausgebildet, wie sie noch heute in zahlreichen Staaten beim Militär
und bei der Polizei getragen werden. Wer ins Ausland reist, kann sich
leicht davon überzeugen.
Abarten sind auch im Neusser Schützenregiment zu finden: beim kleinen
Dienstanzug der Grenadiere und Jäger und des Artillerie-Corps, wenn sie
bei den vorschützenfestlichen Veranstaltungen, wie Oberst- und
Königsehrenabend und beim Fackelzug, sowie bei Trauerfeierlichkeiten
auftreten und bei den Edelknaben. Die sogenannte "Plümm" auf
dem Käppi der Artillerie und der Edelknaben ist hergeleitet von einer
einstmals in vielen Heeren in mannigfachen Formen, Farben und Größen
getragenen Helm- oder Hutzier, die oft einen beachtlichen Umfang und Höhe
hatte, wie heute noch bei unseren Sappeuren.
Ein Wort zur Ordnung des "Regiments", wie die Schützen zu
sagen pflegen:
Von Anfang an stand ein "Böveschter" an der Spitze, ein Oberst:
nur in den Anfangsjahren, als die jungen Leute einmal übermütig wurden,
leisteten sie sich einen General, aber danach sind die Neusser beim Oberst
geblieben (gelegentlich entsteht in ländlichen Orten der Eindruck, je
kleiner das Aufgebot, desto höher die Kommandogewalt...).
Der Oberst trägt - wie früher seine militärischen Kollegen - zur
schwarzen Hose mit Biesen heute den blauen Waffenrock aus den
Friedenszeiten der preußischen Armee mit fransengeschmückten Epauletten
(das sind Schulterstücke), dazu den Zweispitz mit weißem Federbusch:
rotweiße, grünweiße oder grünrote Federbüsche sind bei uns nicht
beliebt, ebenso wenig die brustbreiten Fang- oder Rangschnüre, wie sie
oft anderswo zu sehen sind.
Sein Adjutant, der Regimentsadjutant, steht meist im Range eines
Hauptmannes, trägt schwarz und blau wie der Chef, nur mit
Hauptmanns-Epauletten und anstelle der Feldbinde, des hochrangigen Koppels
- Bauchbinde sagen böse Zungen - die Adjutantenschärpe von der rechten
Schulter schräg nach links. Daran sind auch die übrigen Adjutanten zu
erkennen, auch wenn man sie zufällig mal nicht hört.
Die Korpschefs - bei den Grenadieren und bei den Grünen Korps Majore,
beim Artilleriekorps und beim Reiterkorps eben Chef genannt - und ihre
Adjutanten sind entsprechend ausgestattet, in blau bei den Grenadieren und
bei der Artillerie, in grün bei den Jägern und den übrigen Grünen
Korps, wobei diese auf die Adjutantenschärpe verzichten: das Sappeurkorps
begnügt sich mit einem Hauptmann.
Die Mannschaften waren ursprünglich nicht in Zügen gegliedert,
sondern wurde für die Marschordnung nach Größe formiert und mussten
sich deshalb laut Vorschrift "rechtzeitig einer Vermessung
unterziehen...". Die Gliederung nach Zügen scheint, soviel wir
wissen, erst in den 50er oder 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts
aufgekommen zu sein und hat sich vermutlich aus bestehenden Vereinen,
Stammtischen oder ähnlichen Verbindungen heraus entwickelt.
Noch ein Wort zur sprichwörtlichen "Braut" der Schützen,
zum Holzgewehr. Bis 1834 liehen sich die Grenadiere und Jäger echte
Gewehre aus der im Zeughaus untergebrachten Kammer des in Neuss stehenden
Landwehr-Batallions des Infanterie-Regiments Nr. 39. Da die Neusser mit
den jeweiligen Batallionschefs oder Bezirkskommandanten in gutem
Einvernehmen standen, bedurfte es keiner besonderen Formalitäten und man
hatte keine Schwierigkeiten. Der zuständige Unteroffizier der
Waffenkammer stand sogar den Schützen mit Rat und Tat zur Verfügung,
selbstverständlich gegen eine kleine Aufbesserung seines knappen
preußischen Soldes.
Höhere Kommandostellen wussten nichts von der unmilitärischen Verwendung
königlich-preußischen Eigentums - seltsam genug! - bis eines Tages ein
Mitglied des Komitees aus lauter Vorsicht gewissenhaft bei einem neuen
Bezirkskommandeur anfragte und prompt auf dem Dienstweg landete und
ausrutschte: Das Generalkommando in Koblenz untersagte ab sofort die
Ausleihe der echten Knarren für so profane Zwecke und die Neusser
Schützen mussten zusehen, wo sie sich jetzt zwecks strammer Haltung dran
festhalten konnten. Sie erfanden das Holzgewehr - vor nunmehr 160 Jahren.
Schlußwort
Zur Schützentracht und Schützenuniform gehört der Schmuck der Orden
und Medaillen, eine unvermeidliche und gern angenommene Zier. Aber darauf
noch einzugehen, würde den Rahmen dieser Ausführung sprengen. Für den
dekorierten Schützen Wichtigkeiten, für den Außenstehenden
Nichtigkeiten. Bleiben wir dabei: Für uns sind sie Zeichen der
Erinnerung, der Freude und der Freundschaft, oft aber auch der
Dankbarkeit.
Damit ist "d'r Zog" an uns vorübergezogen. Und wenn am
Dienstagabend des Schützenfestes die letzten Klänge der Musik in den
Straßen verhallen, dann wird's den Neussern seltsam ums Herz, und dann
geht ihnen die alte Weise durch den Kopf, und vielleicht summen, nein,
singen sie auch:
Sind die Kirmestag vorüber,
ist der Freude Rausch vorbei,
wenn wir Alltagsmenschen wieder,
bleibt uns die Erinn'rung treu....