Neusser
Jägerkorps 1823

Die Jäger, die "ersten" Grünen in der Marschordnung, in den
Anfangszeiten unverheiratete Jungmannen, daher auch "jrön Jöngkes"
tituliert, sind sittsam beim ersten Anzugmodell geblieben, haben aber
schon im vorigen Jahrhundert den Rock nach militärischem Schnitt
übernommen mit Schulterstücken, Ärmelaufschlägen, Koppel und
Hirschfänger. Der Hut der Offiziere ist mit üppiger grünweißer
Federpracht dekoriert. Die "Gemeinen" sind beim zivilen grünen
Hut geblieben und schmücken ihn mit dem dreiblättrigen Eichenlaub, dem
"Jägerbruch", der an die historische Jägertruppe erinnert, und
gleichfarbiger Kordel.
Prunkstücke eigener Art bilden im Jägerkorps die gewaltigen
Füllhörner mit den kunstvollen und farbenprächtigen Blumenarrangements.
Dieser Stolz eines jeden Zuschauers ist rein zufällig entstanden. Als
einmal ein früher, üblicherweise mit einem trinkbaren Labsal für den
Marsch zu füllendes Horn nicht rechtzeitig vor dem Fest fertig geworden
war und noch der Deckel fehlte, riet der Handwerksmeister dem
Hörnerträger, anstatt Bier Blumen in das Horn zu stecken. Ein Horn ohne
Deckel wäre ja dem Bier nicht sonderlich bekommen und das Bier nicht den
Schützen. Dieser Anno 1884, also vor 115 Jahren, verzeichnete Notfall
fand schnell Nachahmer und daraus ist im Laufe der Zeit die Tradition
entstanden, Hörner nur noch mit Blumen zu füllen, eine großartige
Bereicherung für das gesamte Korps, ohne die heute im letzten Dorf kein
Jägerzug mehr antritt.
Seit 1951 ist es, auf Anregung des Schützenkönigs, der als "Hönes"
aus dem Jägerkorps kam, ebenso beliebter Brauch geworden, am Sonntag vor
der Parade alle Blumenhornträger geschlossen auf dem Markt marschieren zu
lassen, ein einmaliges grandioses Bild. Hönes, das ist der Hörnerträger
in der Neusser Mundart.
Der Jägermajor trägt rangmäßig die schwarze Hose mit Biesen und
dazu die ihm gebührenden Dekorationen und sein federgeschmückter Hut
überragt alle und alles - eben, weil er auf einem Pferd sitzt.