Neusser Grenadierkorps von 1823
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Neusser Grenadierkorps von 1823

Neusser Grenadierkorps 1823

Grenadiere - Zeugen der Gründertage, in denen man sich formierte und orientierte nach einer fest umrissenen Ordnung, ohne die es nun einmal nicht geht, wenn Schützen antreten und marschieren.
Grenadiere, ursprünglich eine ausgesuchte und herausgehobene Formation der Infanterie, eigentlich Granatwerfer. Nun, unsere Grenadiere haben nie Granaten geworfen, sondern nur Blümchen und Kusshändchen.

Ihr heutiges Auftreten hat sich durchgehend normalisiert, indem die Mannschaften entweder Frack oder Cut tragen. Das war bis in die 20er Jahre noch anders. Da sah man oft noch den knielangen schwarzen Hochzeitsanzug, der auch für Kindtaufe, Weißen Sonntag und Beerdigungen gut war. Ein Zug, der sich anders entschloss, der nannte sich zum Unterschied Frack- oder Cut-Zug und galt, aber nur in der ersten Zeit, als etwas besonderes - eingestandenermaßen nicht immer zum Guten der Gesellschaft.

Der Zugführer war - das galt für alle nach Zügen gegliederten "Truppenteile" - früher durchweg ein Leutnant. Mit wachsender Stärke oder auch mit steigendem Selbstbewusstsein wurde er zum Oberleutnant befördert. Der Leutnant wurde an die Stelle, an den Flügel, an den Straßenrand, sozusagen "en de Jöss" versetzt und hieß seitdem Flügelleutnant oder Jösselleutnant.

Für Nichtneußer: Jöss ist die Straßenrinne an der Trennkante von Bürgersteig und Fahrdamm, genauer: die Wasserabflusszone unterhalb des den Bürgersteig begrenzenden Kantsteins.

Die Offiziere des Grenadierkorps tragen den - längst historischen - blauen Waffenrock der einstigen preußischen Infanterie mit geschlossenem Kragen. Epauletten, wie sie bis 1866 üblich waren, und sogenannten brandenburgischen Aufschlägen an den Ärmeln, dazu die silbergewirkte Feldbinde und natürlich den Degen zur Linken, der als kostbares Erinnerungsstück schon mal weitergegeben wird vom Vater auf den Sohn; auch der ist in manchen Familien Erbgut.


Der Feldwebel trägt auch einen, aber schlichteren Säbel, dazu eine rotweiße Schärpe um den Leib gebunden, die dem Format des Feldwebels schon mal deutlich "Ausdruck verleiht" und, zwischen die berühmten Knöpfe gesteckt, das Notizbuch mit gespitztem Bleistift für alle Sündenfälle. Darunter fallen zum Beispiel Un-Angezogenheiten einfallsreicher "Gemeiner", die beim Antreten mit zweifarbigen Strümpfen oder einem braunen Schuh - "jähl Schohn" sagen die Neusser - die Front des Zuges verunzieren, wo doch einheitliches, tiefdunkles Schwarz vorgeschrieben ist. Den Feldwebel schmücken zusätzlich besondere Tressen. Manche legen sich auch sogenannten "Kolbenringe" über dem Ärmelaufschlag zu, die auch längst historisch sind: sie wurden 1922 bei der damaligen Reichswehr eingeführt und haben seit 1945 ausgedient.

Bescheidener gibt sich der Gefreite. Er bekommt lediglich einen Wappenknopf verpasst: von seiner ursprünglichen Aufgabe, Arrestanten in den "Bau" abzuführen, ist er glücklicherweise befreit.

    
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