Neusser
Edelknaben-Korps von 1835

Ganz ihrer Würde bewusst, schreiten im Festzug und bei der Parade dem
Schützenkönig sogenannte Edelknaben voran, eine stattliche Gruppe von
Jungen, die es sich zur Ehre anrechnen und echte Freude daran haben, an
bevorzugter Stelle in Erscheinung treten zu dürfen.
Von den Alten liebevoll bevatert und bemuttert, von den Schützen und
Zuschauern wohlwollend betrachtet, bemühen sie sich, jungenhaften Stolz
und ordentliche Haltung an den Tag zu legen, wenn auch bei den größeren
Jungen manchmal die Beine schon zu lang, und bei den kleinen die Beine
noch zu kurz geraten sind.
Früher handelte es sich bei den Edelknaben um einen lockeren
Zusammenschluss von Knaben, die sich alljährlich vor dem Schützenfest
bei einem Betreuer melden konnten und dann wieder, wie man so sagt,
auseinander liefen. Seit rund 40 Jahren hat sich eine straffere
Organisation durchgesetzt, die dem Korps sehr wohl bekommen ist. Die
Jungen bleiben zusammen, die Eltern - auch die der regelmäßig
nachwachsenden Generation - bilden sozusagen eine Betreuergruppe und die
das Ganze führenden jungen Männer bemühen sich um die dienstlichen und
natürlich jungenhaften Belange in angemessener und notwendiger Weise.
Ausgangspunkt des kleinen Korps waren die Kinderbelustigungen und
sogenannten Knabenspiele, wie sie uns schon auf den ältesten
Schützenfestplakaten im Bilde begegnen. Die Knaben schossen sogar schon
auf einen Vogel. 1835 entstand der erste festere Zusammenhalt. Das Komitee
kaufte Stoffe für ein einheitliches Wams, bestellte 80 Schärpen und
Holzsäbel und drei Fahnen auf einmal. Der Preis für den
Knabenvogelkönig bestand aus einem Weckmann, der eigens in der
Körpergröße des kleinen Königs gebacken wurde, der wohlschmeckende
Brauch wurde 1985, beim 150jährigen Bestehen, wieder aufgenommen.
Sie haben allen Zeitenwandel überlebt, unsere Edelknaben, ihre schlichten
Knabentracht, schwarz mit silbernen Tressen, weiße Strümpfe - die
einzigen im ganzen Regiment - schwarze Schuhe, ist geblieben. Nur den
Holzsäbel haben sie gegen ein wertvolleres Exemplar ausgetauscht. Unter
der schicken Mütze mit der Plümm werden natürlich auch schon mal andere
Gedanken ausgeheckt als nur dienstlich-schützenfestliche. Aber wer König
wird, der trägt die Kette mit nicht geringerer Würde als der große
Kollege. Und wenn, das ist nicht zum Lachen, einer mal nicht König wird,
dann kann man knabenhafte Zornesausbrüche erleben. Und wenn es einer wird
und auf dem Podium hochgereicht wird, dann wischen Muttis verstohlen die
Tränen ab und Vatis schnäuzen sich gerührt ins Sacktuch. Auch das ist
ein Stück Neusser Leben.....