Neusser
Artillerie-Corps 1854 e. V.

Weltbekannt durch Industrie und durch ihre Artillerie, so sang man
einst in jenen Tagen, als man sich noch darum stritt, ob ein
Artillerie-Corps überhaupt eine passende Bereicherung für das Neusser
Schützenregiment darstellte. Nun, die Artilleristen fuhren große Kaliber
auf und schossen sozusagen eine Bresche in die Mauer der Abneigung: Als
man sie noch "nicht wollte", 1854, feierten sie nebenher,
schossen einen König aus und fuhren diesen achtspännig durch die Stadt,
zum Gaudium der Neusser natürlich und zum großen Ärger des Komitees,
das erst nach zwei Jahren klein beigab.
Hier scheinen in der Tat einige persönliche Ambitionen aktiv gewesener
Artilleristen eine Rolle gespielt zu haben, doch neigte das Corps vorerst
einer zivilen Aufmachung zu, kosteten doch Uniform, Geschütze und
Bespannung einiges Geld. So sieht man auf älteren Bildern mehr
Artilleristen im langen schwarzen Sonntagsanzug oder Bratenrock als in der
blauen Uniform militärischen Zuschnitts. Sie verzichteten auch auf einen
Helm und wählten statt dessen ein schwarzes Käppi mit der "Plümm",
den traditionellen Artilleriehelm der preußischen Artillerie, dessen
Bekrönung nicht, wie bei der sogenannten "Pickelhaube" in einer
Spitze endet, sondern in einer Kugel, sieht man heute gelegentlich noch
bei ländlichen Schützenfesten.
So erscheinen die Artilleristen noch heute: teils beritten, teil zu
Fuß, Berittene in der einstigen Friedensuniform mit den üblichen
Rangabzeichen, aber mit Käppi, andere im Gehrock hoch zu Roß oder als
Fußmannschaft und das ganze Corps mit einem sechsspännig gezogenen
Geschütz, auf dessen Protze Platz ist für schonungsbedürftige Senioren
- Krönung einer Zeit, die ebenfalls 1952 mit einem neuen Aufbau beginnen
musste und in Führung und Mannschaft seitdem Beachtenswertes geleistet
hat; auch hier sind die Idealisten noch nicht ausgestorben.